Entwicklung von Angelgerät (Design von Fliegengerät)
Seit ungefähr 15 Jahren beschäftige ich mich mit der Entwicklung von Geräten zum Fliegenfischen und habe dabei mit einigen der größten europäischen Hersteller zusammen gearbeitet.
Was ich nun schreiben werde, wird vielleicht für Einzelne kontrovers klingen, es ist doch nicht meine Absicht jemand zu verletzen. Ich kann es jedoch nicht lassen, meine Meinungen zu einem Fachgebiet zu äußern, für das ich mich sehr engagiere und in dem ich über viel Erfahrung verfüge. Der Kern meiner Philosophie ist der, dass man Geräte herstellen sollte, an denen der Kunde Freude hat und die klar signalisieren, warum und wie sie verwendet werden sollte.
Man sollte nicht alle Werbeslogans der meisten Hersteller glauben. Und das Wichtigste von allem: Man sollte auf das Gerede von Weitwerfen nicht zu viel Wert legen. In all den Jahren, in denen ich mit Fliege fische, haben fast alle Hersteller jedes Jahr mit Slogans wie „Die beste Rute der Welt" und „Die am weitesten werfende Rute" auf die Werbetrommel geschlagen. Warum das nun?
„Wurflänge" ist nach meiner Meinung ein abgenutztes und unpassendes Wort und Konzept in der Welt des Fliegenfischens. Von dem ersten Tag des Fliegenfischens war Wurflänge für mich ohne Bedeutung. Weite ist nur wichtig beim Casting-Sport, aber es hat nichts mit „Fliegenwurf" zu tun. Es ist wichtig dieses zu verstehen.
Bekommt man Interesse für das Fliegenfischen, dann sollte die Wurfweite bei der Wahl von Gerät nicht entscheidend sein. Fliegenfischen fordert Intelligenz, Technik und keine Muskeln. Was den tüchtigen Fliegenfischer auszeichnet, sind Werte wie Präzision und Präsentation. Mit den meisten modernen Fliegenruten kann man jede verlangte Schnurlänge werfen, aber es sind doch nicht die Geräte, die es dem Angler möglich machen, die Fliege aus jeder Position und in jede Tiefe zu präsentieren. Es sind die Geräte, die den Fliegenfischer bei der Präsentation unterstützen, die man kaufen sollte und die gleichzeitig mein Ziel sind, bei Entwicklung von Geräten zum Fliegenfischen.
Ruten können für verschiedene Typen von Wurfstil und mit unterschiedlichen Aktionen hergestellt sein. Man kann die Ruten stark oder leicht, kurz oder lang, weich oder steif machen. Ruten können, oder sollten, für bestimmte Angelsituationen hergestellt sein. Man sollte sich seine Fliegenrute nach persönlichen Werten, Angelsituationen und Bedingungen wählen.
Begabung hat nichts mit der Auswahl der Geräte zu tun. Anfänger und Geübte sollten dieselben Gerätetypen verwenden. Ein Vergleich: Sollte ein professioneller Fußballspieler mit einem anderen Ball spielen als ein Anfänger? Natürlich nicht. Ich räume allerdings gerne ein, dass geübte Fischer oftmals Geräte besserer Qualität verwenden - und diese auch besser ausnützen können.
Qualität hat jedoch nichts mit dem Preis zu tun. Nur weil eine Rute sehr viel teuerer ist als eine andere Rute, bedeutet das nicht, dass sie auch unbedingt besser ist. Das optimale Gerät ist das, was genau zu der aktuellen Angelsituation passt.
Loyalität und Vertrauen der Kunden werden durch die Herstellung von guten Produkten sowie ehrlicher und einfacher Vermarktung verdient. Verkaufsgerede von Wurfweite und Aussehen kann oft fehlendes Fachwissen bei dem Hersteller andeuten. Ich entwickle Geräte mit Rücksicht auf deutliche und präzise Produktbeschreibungen.
Der Mangel von standardisierten Maßen ist ein weiterer Faktor, die zu einer verkehrte Wahl von Geräten führen können. Lassen Sie mich das AFTM-System als Beispiel nennen, welches von den meisten Geräteherstellern verwendet wird, um Schnüre an Ruten zu klassifizieren. Aber es ist katastrophal, wenn dem System nicht von allen Herstellern gleichartig gefolgt wird.
In den Jahren bin ich vielen verwirrten Fliegenfischen begegnet, die nicht verstehen konnten, was sie beim Werfen falsch machten. Nach einer näheren Inspektion des Gerätes, hat es sich oft gezeigt, dass Rute, Rolle, Schnüre und Vorfächer nicht korrekt aufeinander abgestimmt waren. Man sieht oft, dass die Rute nicht zur Schnur passt, und es ist dann unerheblich, ob man ein geübter Werfer ist. Nichts kann einen so fatalen Fehler beim Zusammenstellen der Geräte aufwiegen.
Wenn ich Geräte entwickle, versuche ich daher immer, das Wurfgewicht zusammen mit der AFTM-Nummer anzugeben. Die Werte sind sowohl auf der Rute als auch auf der Schnur abzulesen. Nach meiner Meinung ist dies eine kleine Revolution, da der Fliegenfischer nun das korrekte Wurfgewicht für eine bestimmte Rute ablesen kann. So versichert man sich, dass das Gerät angepasst und ausgewogen ist. Der Kunde braucht sich nur darauf zu konzentrieren seine Würfe zu verbessern. Nichts gibt einem Anfänger einen besseren Anfang, als korrekt zusammengestelltes und angepasstes Gerät.
Ich bin stolz sagen zu können, das Zpey ein System präsentiert hat, in dem sowohl Schnüre und Ruten mit Wurfgewicht gekennzeichnet sind. Das ist nur logisch. Es vereinfacht dem Kunden eine richtige Wahl zu treffen und im Nachhinein kann er sicher sein, dass seine Wahl zu einer korrekter Fliegenfischerausrüstung geführt hat.
Ich hoffe, dass auch die anderen Hersteller beginnen werden, dieses System mit der Kennzeichnung des Wurfgewichtes an Ruten und Schnüren zu benutzen. Es ist wichtig, das die Industrie ihre Kunden respektiert und es Ihnen möglich macht, die richtige Wahl zu treffen, ohne den Einfluss von verführender Vermarktung.
Petri Heil.
